| Januar 2023 | |||||
| 01.01 | 1 Nacht | Burghausen | Für die nächste Zeit habe ich mir nur kurze Strecken und längere Verweilzeiten vorgenommen. Vom Stellplatz aus kommt man gut mit dem Fahrrad an die Burg und in die Altstadt, muss dabei aber die ein oder andere Steigung bewältigen. Der Ort macht einen sehr freundlichen Eindruck und die Fahrradinfrastruktur ist in Ordnung. Die längste Burg der Welt |
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| 02.01 | 2 Nächte | Pfarrkirchen | Der Stellplatz ist umsonst und sehr zentral, allerdings schon im Winter sehr gut besucht. Ich befürchte im Sommer könnte es eng werden. Das Städtchen ist eher langweilig, aber es gibt alle Arten von Infrastruktur. Hier kann man gut relaxen. Marktplatz Pfarrkirchen |
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| 04.01 | 1 Nacht | Adlersbach | Eine sehr kleine Ortschaft, wohl bekannt wegen ihres Klosters und Brauerei. Die 3 Stellplätze sind relativ eng, aber ruhig und zentral. Wenn ich allerdings die Parkplatzflächen betrachte, wird hier im Sommer wohl die Hölle los sein. |
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| 05.01 | 2 Nächte | Deggendorf | Netter, lebendiger Ort ohne Kleinstadtmief. Donau, Isar, Infrastruktur und Fahrradmöglichkeiten (entlang der Donau und Isar). Was will man mehr ? Rathaus Deggendorf |
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| 07.01 | 1 Nacht | Friedenfels | Kleines, aber mit touristischer Infrastruktur (Kneipen, Geschäfte) versehenes, wunderschön gelegenes Dorf. Auch die Fahrt von Deggendorf entlang der B22 durch das Fichtelgebirge war außergewöhnlich schön. In der Gegend könnte ich mir gut vorstellen auch mal länger zu stehen. Sehr schöne Parkplätze mit Potential zur Übernachtung auch bei der Fahrt in Richtung Hof (Seeblick!). |
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| 08.01 | Hof | Im einzigen Waschsalon im Umkreis von 100 Km gewaschen. Dann einen Stellplatz gesucht, aber nichts brauchbares gefunden. Hof macht insgesamt einen sehr abweisenden und verschlossenen Eindruck. Das färbt natürlich auch auf die Stellplätze ab. |
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| 08.01 | 1 Nacht | Bad Lobenstein | Stellplatz ruhig und zentral, schöne, gut sanierte Altstadt mit altem Burgturm, allerdings total tote Hose. Viele Kneipen, aber geschlossen oder mit sehr eingeschränkten Öffnungszeiten. Ich nehme an, im Sommer geht es hier anders zu. Wunderschön allerdings die Fahrt von Hof durchs Thüringische Schiefergebirge hierher. Bad Lobenstein liegt im Thüringischen Schiefergebirge, wie man sieht |
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| 09.01 | 1 Nacht | Volkstedt / Saale | Ruhige Stellplätze an einem Freizeitbad mit Blick auf den Thüringer Wald. Rudolstadt mit einer großen, gut restaurieren Altstadt liegt fußläufig an der Saale entlang. Schloss Rudolstadt |
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| 10.01 | 2 Nächte | Ilmenau | Lebendiges Städtchen mit schöner Altstadt und progressivem Ambiente (viele Kaffees, Biomärkte, Unverpacktmärkte, ...). Es ist allerdings wenig los auf den Straßen, vielleicht weil noch Semesterferien sind. Der Wagen ist schon wieder in der Werkstatt: Die Windschutzscheibe muss ausgetauscht werden, deshalb auch 2 Tage Aufenthalt. Goethe vor dem Rathaus und die Technische Universtität |
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| 12.01 | 4 Nächte | Erfurt | Weitere 4 Tage: Die Scheibe war bei der Erstmontage in den nassen Lack geklebt worden, jetzt muss neu lackiert werden. Ich habe mich entschieden die 4 Tage lieber in Erfurt zu verbringen. Hier gibt es dann doch mehr zu sehen, als in Ilmanau. Erfurt bietet viel Geschichte und alte Gebäude, deshalb gibt es auch viel Städtetourismus und viel Leben. Auf den zweiten Blick ist aber alles sehr sehr sauber und reglementiert. Ich habe noch nirgendwo soviel Ordnungsamt (zu Fuß) und Polizeipräsenz (im Auto) gesehen wie hier. Es geht auch keiner über eine rote Ampel oder schmeißt eine Zigarette auf den Boden (obwohl es ungewöhnlich viele Raucher gibt). Dom, Kunst und Ordnung |
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| 14.01 | Mühlberg | Ein Ausflug zu den „drei Gleichen“, drei Burgen auf mehr oder weniger benachbarten Hügelkuppen im Thüringer Wald. Mehr als die Mühlburg hat mich allerdings das Städtchen Mühlberg beeindruckt. Viele gut erhaltene und restaurierte Mühlen und Gebäude aus dem 13. Jahrhundert. Burg und Rathaus |
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| 16.01 | 1 Nacht | Ilmenau | Noch eine Nacht in Ilmenau. Ich habe das Auto zu spät zurückbekommen um noch weiterzuziehen. Zwischenstopp in Arnsberg |
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| 17.01 | 2 Nächte | Bad Berka / Ilm | Wofür das Bad steht, ist mir nicht ganz klar. Die Gegend ist sicher schön, aber davon bekommt man im Ort nichts mit. Extrem spießig und langweilig. Das einzig aufregende hier ist der Wohnmobilstellplatz. Bleibe trotzdem 2 Tage weil ein gründlicher Hausputz ansteht. Friedensplatz |
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| 19.01 | 1 Nacht | Halle | Drei Stellplätze hintereinander in denen die Infrastruktur mehr oder weniger verwüstet war (Bad Sulza, Naumburg und Halle). In Halle geht wenigstes der Strom aber langsam muss ich mir Gedanken ums Frischwasser machen. Ich bekomme nun das Gefühl, dass die Wohnmobilstellplätze im Osten nicht wirklich taugen. Das war in Bayern anders. Sieht so aus, als hätte hier im Osten irgendeine Tourimus-Marketing-Abteilung die Idee, aber dann wird es einfach nicht mehr gepflegt. |
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| 20.01 | 1 Nacht | Dessau / Rosslau | Erst einmal große Wäsche in Halle gemacht, dann festgestellt, dass das Frischwasser alle ist und die Fahrt nach Leipzig gecancelt (hier gab es keine Chance auf Wasser). Nun ein Stellplatz am Flughafen von Dessau / Rosslau mit Rundumservice (Preis all Inclusive). Leider war die Entsorgung defekt und die Dusche kalt (wen wunderts?). Aber ich habe wieder Frischwasser. Nach Dessau Zentrum waren es mit dem Rad ca. 5 Km, aber es ist wieder sehr kalt und wirklich Spaß gemacht hat es nicht. Dessau selbst sieht aus wie im Winterschlaf und wartet auf die Sommertouristen. Post und Bauhaus Erbe |
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| 21.01 | 2 Nächte | Zerbst / Anhalt | Der Stellplatz in Wörlitz ist supertouristisch in Preis und Ambiente, der in Coswig liegt zwar schön an der Elbe hat aber das Flair eines Müllplatzes. Ich bin in beiden Fällen gleich weiter gefahren. Der Stellplatz in Zerbst hat zwar auch nicht viel Charme, ist aber sauber, ruhig, zentral und mit Rundumversorgung (außer Frischwasser im Winter natürlich). Zerbst selbst hat mich beeindruckt. Ich habe selten eine Stadt dieser Größe gesehen in der sowenig alte Bausubstanz übrig ist. Und das meiste, was noch übrig ist, steht als Ruine im Stadtbild. Merkwürdigerweise ist auch die Stadtmauer fast vollständig erhalten und es sieht so aus, als wäre sie gebaut um die vielen Plattenbauten zu schützen. Hier ist aber nichts zu finden von dem Ossi-Mief, der mich die letzten Tage begleitet hat. Die Stadt macht einen freundlichen, offenen, weiträumigen Eindruck. Dazu tragen natürlich auch die innerstädtischen Parks und die schöne Umgebung bei. Irgendwann muss ich der Frage mal nachgehen, was die Ursache dafür sein könnte, dass manche Städte trotz schlechterer Voraussetzung (als z.B. Aschersleben) einen freundlichen Weg gehen können. Alt und neu in Zerbst |
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| 23.01 | 2 Nächte | Magdeburg | Ich habe beschlossen, ein paar Tage in Magdeburg zu bleiben und mal ein bisschen Nichtstun zu genießen. Eigentlich wollte ich den Stellplatz an der Anlegestelle der Weißen Flotte Magdeburg ausprobieren, sehr schön zentral direkt an der Elbe gelegen. Aber dort gibt es, anders als im ADAC Stellplatzführer angegeben, keinen Strom. Deshalb bin ich wieder auf den mir schon bekannten Stellplatz am Winterhafen gezogen. Zwei sehr schöne Radtouren an der Elbe und in Magdeburg Stadt gemacht. | ||
| 25.01 | 1 Nacht | Stendal | Das Kloster Jerichow ist extrem touristisch und die Stellplätze dementsprechend ungemütlich. Der Parkplatz in Tangerhütte ist was für den Sommer. In einem wunderschönen Waldgebiet gelegen lassen sich hier sicher tolle Fahrradtouren unternehmen. Der Stellplatz in Stendal entsprach überhaupt nicht der Beschreibung im Stellplatzführer und lud nicht zur Übernachtung ein, aber ich bin geblieben, weil ich keine Lust mehr hatte weiterzufahren. Stendal könnte ein nettes Städtchen sein, wenn die extreme Autodominanz, sogar in der Altstadt und teilweise in der Fußgängerzone nicht wäre. Stendal bei Nacht |
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| 26.01 | 1 Nacht | Tangermünde | Endlich mal ein Stellplatz der hält, was er verspricht. Ruhig, zentral, sauber, schön gelegen und alles funktioniert. Reiner und ich hatten 2011 auf der Fahrradtour von Netzeband nach München hier in Tangermünde Station gemacht. Es war ein besonderes Erlebnis, das wir beide nie vergessen werden. Es war damals schon ziemlich touristisch, scheint aber jetzt noch mal eine andere Klasse angenommen zu haben. Ich glaube nicht, dass ich im Sommer hier sein möchte, aber sonst immer gerne. Tangermünde von der Elbe aus gesehen |
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| 27.01 | 3 Nächte | Prenden (Wandlitz) | Die Idee war, hier in der abgelegenen brandenburgischen Stille meine Monatsabrechnung und mein Investitionswochenende machen. Ich hatte allerdings ganz vergessen, dass direkt neben dem Stellplatz ein schöner, großer Kinderspielplatz ist. Und ich hätte mir natürlich denken können, dass dieser Platz für Berliner Eltern mit einem Wohnmobil ideal ist, um das Wochenende zu verbringen, was man ihnen natürlich nicht verdenken kann. Ging aber trotzdem gut. Im Wald |
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| Im Wald | |||||
| Der Brandenburgische Wald eignet sich toll für Fahrradtouren. Ich habe mehrere um die hiesigen Seen und in die weiten Waldgebiete gemacht. Wenn jemand denkt, Brandenburg ist flach, hat er sich getäuscht. Natürlich gibt es keine Berge, aber ein dauerndes auf und ab und einige Steigungen davon merkt man als Fahrradfahrer schon. Und so schön die Natur und der Wald ist, es gibt doch noch einiges mehr zu sehen. Riesige Gebäudekomplexe, unbewohnt aber nicht zerfallen mitten im Wald, gaben mir zunächst Rätsel auf, da ich das alles nicht einordnen konnte. Aber dafür ist Wikipedia ja da: Die ganze Gegend hat eine sehr wechselvolle Geschichte sowohl während der Nazizeit (Landsitz von Joseph Goebbels) als auch während der DDR Zeit (FDJ-Jugendhochschule). Wen das interessiert, findet Näheres bei Wikipedia unter „Bogensee“. | |||||
| 30.01 | 1 Nacht | Berlin | War im Lager und habe erfolgreich meinen Jahresübertrag gemacht. Dann wieder in der Otisstr. übernachtet. | ||
| 31.01 | 1 Nacht | Berlin | Wäsche gewaschen und Großstadteinkäufe erledigt. Musste dann in die teure Wohnmobiloase, weil ich sanitäre Infrastruktur brauchte und auch die Stellplätze in den nächsten Tagen diesbezüglich nicht viel bieten. Am Abend mit Micha und Annette Indisch/Nepalesisch Essen gewesen, das war sehr gut und sehr nett. | ||
| „Im Osten“ | |||||
| Was mich in diesem Monat am meisten bewegt hat, waren meine Erlebnisse im und mit dem „Osten“. Ich dachte immer, dass ich ganz gut Informiert sei, was die Entwicklung im Osten angeht. Schließlich war ich sein meinem 9. Lebensjahr mindestens einmal im Jahr in der DDR bei meinen Verwandten, manchmal mehrere Wochen, ich habe lange in Berlin gelebt und später immerhin 14 Jahre in Vorpommern und während der ganzen Zeit Kontakt mit meinen Cousins und Cousinen gepflegt. Trotzdem stellt sich heraus, dass ich von der Realität, sagen wir mal „Östlicher Kleinstadt ohne Tourismusanbindung“ keine Ahnung habe. Die im öffentlichen Raum von mir wahrgenommene Tristesse, die Gleichgültigkeit und auch der Trotz („ofenwarme echte Ossibrötchen“) müssen ja ihre Gründe haben. Meine Erklärung ist die folgende: Der plötzliche Wegfall der DDR hat im öffentlichen Leben durch den Wegfall etablierter gesellschaftlicher Verhaltensmuster ein Vakuum hinterlassen. In manchen Gegenden konnte dieses Vakuum mit neuen Inhalten gefüllt werden: Tourismus, großstädtisches Leben, Ansiedlung neuer oder Weiterführung alter wirtschaftlicher Aktivitäten. Dort ist es gelungen die verlorenen Verhaltensmuster durch „westliche“ zu ersetzen. Aber es gibt eben eine Menge Orte in denen all das nicht passiert ist und dort ist das Vakuum und ein Gefühl des „Abgehängtseins“ geblieben. Selbst heute noch, nach mehr als 30 Jahren und für mich sieht es auch nicht aus, als würde es ein Entwicklung weg davon geben. Im Gegenteil: An diesen Orten scheint es eher schlimmer zu werden. Auf persönlicher Ebene sieht das aber alles ganz anders aus. Fast jeden, den ich angesprochen habe war sehr freundlich und hilfsbereit. Es war, als würde bei direkter Ansprache eine Maske fallen. Das erinnert natürlich sofort an die alte DDR, wo gesellschaftlicher und persönlicher Bereich oft durch eine hohe Mauer getrennt waren. Auf der einen Seite haben mich diese Beobachtungen traurig gemacht. Auf der anderen Seite finde ich es auch interessant. Denn es wird natürlich die Frage aufgeworfen, welches denn eigentlich die Faktoren sind, die ein Veränderung anstoßen und eine Entwicklung beginnen lassen. Und man sollte nicht in die Arroganz verfallen, die Dinge den Personen anzulasten. Alle Faktoren, die ich genannt habe waren gesellschaftlicher oder geographischer Natur. Es hätte mir genauso passieren können! | |||||
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